Malen mit Wunderkerzen

Silvester kamen wir auf die Idee, man könne doch – neben dem ganzen Geknalle – etwas Bleibendes produzieren. Etwas, das sowohl den Eintritt ins neue Jahr als auch den Versuch, das alte Jahr und dessen böse Geister mit Feuer aus zutreiben, symbolisiert.

Kurz, wir wollten ein feuriges „2011“ schreiben.

Da Knaller und Raketen für eine solche Aktion zu kurz und auch etwas zu aktiv brennen, kamen wir überein, die übriggebliebenen Wunderkerzen zu benutzen.

Gesagt getan: Vier(zig) Wunderkerzen, eine Kamera, eine Silvesternacht und vier Personen, die zu jeder Schandtat bereit waren – alles war da.
Spontan entstand so ein ebenso schönes wie…
Nein, eigentlich entstanden erst einmal nur ein paar, an Materialerfahrungen (wie man im Kindergarten sagt) erinnernde Fotos:

Das machte natürlich nichts, denn wir besaßen noch eine Menge weiterer Wunderkerzen und zudem hatten wir mehr Alkohol im Blut als Schwarzpulver gen Himmel geschossen.

Hier nun die nächsten beiden Bilder:

Immerhin, das linke Bild enthält eine etwas pummelige „1“.
Und, auf dem rechten Bild stimmen doch schon fast die letzten beiden Ziffern…
Ok, man sollte sich nicht mitten im Schreiben überlegen, dass eine „1“, von einer Kamera aufgenommen, eventuell spiegelverkehrt dargestellt werden könnte und dieses Wissen sofort in die Tat umsetzen. Denn so erzeugt man gegebenenfalls ein „M“. Aber wer weiß wann man das Wissen, wie man ein „M“ schreibt, nutzen kann.
Auch das hübsche – ebenfalls spiegelverkehrte – „Schreibschrift-A“ ist nicht schlecht – wenn auch irgendwie nicht ganz eine „1“.
Von diesen ersten wirklich geschriebenen Buchstaben beflügelt, starteten wir einen weiteren Versuch:

Endlich – das erste richtige Wort: „SOM“ – toll oder? 🙂  Vielleicht ist es aber auch ein geheimes Zeichen „8OM“, das nur Eingeweihte verstehen…
Na gut, der Schreiber der „2“ machte den gleichen Fehler wie der „1“-  respektive „M“-Schreiber etwas weiter oben – ABER!, aber die Form näherte sich dem Willen…
…und verließ ihn schon ein Foto weiter wieder, zudem erlosch die eine oder andere Wunderkerze:

Aber, so schnell gaben wir nicht auf:
Losgestürzt, Wunderkerzen gegriffen, sie angezündet – und vor lauter Aufregung zu früh auf den Auslöser gedrückt:

Was soll’s, die digitale Fotografie macht solche Fehler schnell ungeschehen ungeschrieben:

Hier zeigen sich die ersten wirklichen Fortschritte. „011“ ist schon sehr gut zu lesen. Nur die „2“ lässt noch auf sich warten.
Wie die nächsten Bilder zeigen, ließ sie sich auch noch ein wenig häufiger bitten. Dabei sollte bedacht werden, dass es wesentlich einfacher ist, Einsen und Nullen spiegelverkehrt zu schreiben als Zweien:

Dann aber, als niemand mehr an das Jahr 2011 glauben wollte, zeigte sich dieses hier:

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HEUREKA! 🙂

Ein paar Anmerkungen zum Schluss:

Eigentlich ist es nicht schwer mit Licht zu schreiben.  Man benötigt allerdings eine Kamera, die man manuell einstellen kann.

Mit folgenden Einstellungen hatten wir recht gute Ergebnisse:

Blende f5
Ich denke, hier könnte man es gut mit einer etwas kleineren Blende (größere Blendzahl=mehr Schärfentiefe) versuchen, denn das würde dazu führen, dass der Focus nicht so genau sitzen muss. Zudem führt leichtes Abblenden zur Verbesserung der Bildqualität. Dies ist, wie man oben sieht, aber nicht zwingend, denn das automatische Fokussieren auf eine brennende Wunderkerze ist unproblematisch und das Bild ist recht kontrastreich und der Betrachter erwartet eben dies, so dass ausgebrannte Stellen bei diesem Foto ein geringes Problem darstellen.

Belichtungszeit 4-5 Sekunden
Diese Zeit reicht völlig aus, um je eine Zahl zu schreiben. Mehr Zeit würde bedeuten, dass die Schreiber, wenn die Zahl geschrieben ist, nicht wissen, wohin mit der brennenden Wunderkerze. Entweder zieht man mit dieser die Zahlt wieder und immer wieder nach, welche dadurch immer dicker und unförmiger wird, oder man legt sie einfach beiseite, und erzeugt so einen hellen Strich in dem Bild, wo er nicht hingehört…

ISO so klein wie möglich.
Bei Langzeitbelichtungen sollte der ISO Wert immer so klein wie möglich sein, denn digitale Kameras erzeugen dabei üblicherweise sowieso schon ein bisschen Rauschen, dies sollte man nicht noch durch das Rauschen der hohen ISO-Werte verstärken.

Der Rest ist einfach:
Man zeichne mit den Wunderkerzen spiegelverkehrt die gewünschten Zahlen in die Luft und nehme das mit den oben genannten Einstellungen auf. Ein Stativ zu benutzen wäre sinnvoll, ist aber nicht notwendig, da hier höchstens der Hintergrund verwackelt, jedoch nicht die leuchtenden Striche der Wunderkerzen.

PS: Man könnte natürlich auch richtig herum schreiben und das Bild hinterher digital spiegeln, aber das wäre doch unsportlich oder?

Zu guter Letzt:
Ich wünsche jedem/r Leser/in ein gutes, schönes und erfolgreiches Jahr 2011

11 Gedanken zu „Malen mit Wunderkerzen

  1. Christian

    Sehr schön geschrieben und gut erklärt von der technischen Seite.

    Die Bilder selbst sind schön geworden, vor allem der gelungene Abschluss. Nächstes Jahr wird es aber schwieriger, da gibt es ja dann zwei Zweien.

    Hat auf jeden Fall Spaß gemacht 😉

    Antworten
  2. Andrea

    Mir hat die Aktion auch viel Spaß gemacht. 🙂

    Und da wir dieses Mal schon so viel geübt und anschließend hinsichtlich der damit verbundenen Herausforderungen reflektiert haben, bin ich zuversichtlich, dass wir „2012“ auch schaffen werden. 😉

    Ich bin auf jeden Fall gerne wieder dabei!

    Antworten
  3. Dirk Mochalski Artikelautor

    Ja, ich hatte auch viel Spaß.
    Aber eigentlich hoffte ich, dass wir über so etwas lächerliches wie ‚Zahlen‘ hinaus sind…

    Ich denke schon, dass wir uns an
    „Herzlich Willkommen im Jahr 2012!“
    versuchen sollten… 😀

    Viele Grüße
    Dirk

    Antworten
  4. Dirk Mochalski Artikelautor

    Hallo Lisa,
    vielen Dank für das Lob. 🙂

    Eigentlich ging es ziemlich schnell:
    Das erste Foto wurde um 0:21 Uhr und das letzte um 0:27 Uhr geschossen. Vielleicht kam noch ein, zwei Minuten Koordinierung im Vorfeld hinzu.

    Ablauf:
    Jemand kam auf die Idee.
    Vier Leute griffen sich die Wunderkerzen zündeten sie an und wuselten damit herum.
    Ich nahm meine Kamera, stellte sie auf 5 Sekunden Belichtung ein, drückte immer wieder ab und gab Rückmeldungen wie:
    „Deine 1 ist spiegelverkehrt.“ Oder:
    „Bitte bei der 2 die Wunderkerze auf demselben Weg zurückführen, den sie auf dem Hinweg genommen hat.“

    Allerdings war ich schon auf Langzeitbelichtung „eingestellt“, da ich vorher das „normale“ Feuerwerk zu fotografieren versuchte.
    Zudem hatten alle ziemlich viel Spaß dabei und wir erwarteten kein besonderes Ergebnis.

    Außerdem, hat man ziemlich schnell einen interessanten Effekt:
    Selbst wenn man nichts darauf lesen kann, sogar das erste Bild (es war wirklich das erste geschossene Foto nach der Idee) sieht zumindest interessant aus… – oder? 😉

    Also Viel Spaß bei deinen Fotos und
    viele Grüße
    Dirk

    Antworten
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