Meine Spiegelreflex III – eine Abschlussbilanz

Ich war enttäuscht. Ich war so enttäuscht, dass ich meine komplette Spiegelreflexausrüstung auf einen Schlag verkaufte. Ich war und bin so enttäuscht, dass ich nichts mehr mit den Firmen Canon und Sigma zu tun haben will.

Warum ich enttäuscht bin? Zur Erläuterung möchte ich es mit einer Metapher versuchen:
Wenn man mir ein Auto verkauft, das eine piepende Einparkhilfe hat und diese Einparkhilfe beim Einparken erst piept, wenn ich schon gegen die Wand gefahren bin, so ist es ein fehlerhaftes Produkt. Ich fahre in die Werkstatt und lasse es als Garantiefall reparieren.
Ok, mit meiner Canon baute ich keine Unfälle. Aber viele meiner Fotos wurden nichts, weil die Schärfe in meinen Fotos an anderen Stellen zu finden war, als die Fokussierung signalisierte. Ich finde, dies ist ein vergleichbares Problem.

Deshalb weiter mit der Metapher:
Wenn der Hersteller meines Autos mir sagt: “Ja diesen Fehler gibt’s. Der hängt mit den Produktionstoleranzen zusammen.  Wir haben aber doch eine Funktion eingebaut, mit der können Sie den Piepton so einstellen, so dass er an den richtigen Stellen piept.” Dann finde ich das schon mal ein wenig eigenartig, denn als ehemaliger Maschinenschlosser weiß ich, dass Produktionstoleranzen1 eigentlich so bemessen sein sollen, dass die Produkte bei Einhaltung funktionieren.
Wenn ich diese Funktion aber dennoch ausprobiere und nach der Justierung zwar rückwärts einparken kann, dafür jedoch beim Vorwärtseinparken erst ein Signal bekomme, nachdem ich bei meinem Vordermann im Kofferraum stehe, weil besagte Funktion nur den kompletten Abtastbereich verschiebt und er aus diesem Grunde vorne nicht mehr passt, dann fühle ich mich, deutlich ausgedrückt, verarscht…

Bei Autos gibt es so etwas (glaube ich) nicht. Bei Spiegelreflexkameras existieren allerdings sehr ähnliche Fehler mit dem Namen Front-/ Backfokus.

Nachdem oben beschriebene Funktion, zu oben beschriebenem Ergebnis führte (ich fuhr nicht in Autokofferräume, aber ich schoss unscharfe Bilder), beschloss ich das Objektiv als “defekt” zu betrachten und ging zu dem Händler meines “Vertrauens”. Dieser sandte (widerspenstig) die Kamera samt Objektiv zur Firma Sigma. Das tat er – immer widerspenstiger meine Beweise  akzeptierend –  dreimal. (Beweise: Ich: „Hier, versuchen Sie es doch selbst!“ Händler nach dem Versuch: „Nun ja, er liegt schon etwas daneben…“)

Die werkseitige Justierung stellte sich als langwierig und anscheinend nicht lösbar heraus. Die drei Versuche dauerten zwischen zwei und vier Wochen, in welchen ich meinen Kamera (Body), samt Objektiv vermissen musste.
Ein Frühling ohne Fotoapparat! Danke Sigma! Danke Canon!

Ich hatte an weiteren Objektiven Fehlfokussierungen. Da es sich bei diesen aber nicht um Makroobjektive handelte, fiel der Fehler nicht so ins Gewicht. Es ärgerte mich dennoch und da ich dieses Einschickprozedere ohne Ergebnis nicht noch einmal mitmachen wollte, verkaufte ich kurzerhand meine Canon 50D samt Zubehör und erstand von dem Erlös eine Panasonic GH2.

Typbedingte Fehlfokussierungen” was ist das…?

Ich war mir so sicher, dass dieses Foto etwas geworden ist.” Wenn man sich diesen Satz öfter sagen oder denken hört und dies bei bestimmten Objektiven häufiger als bei anderen vorkommt, dann könnte – neben dem üblichen menschlichen Versagen – auch ein technischer Fehler vorliegen, ein Front– oder Backfokus.

Für den Fotografen stellt sich das Problem (hier ein Frontfokus*) wie folgt dar (klicken zum Vergrößern):
*bei einem Backfokus läge der tatsächlich fokussierte Bereich hinter der fotografierten Person.

Wie oben geschrieben, bedeutet ein Fehl-, also Front- oder Backfokus, dass eine Kamera-Objektivkombination ein Foto produziert, auf dem eine andere Stelle scharf abgebildet ist, als die, welche die Kamera beim Fotografieren anzeigte.
Ist dieser Fehler vorhanden, zeigt er sich besonders, wenn man mit großer Blende (also mit kleiner Schärfentiefe/f-Zahl) und/oder im Makrobereich fotografiert, oder aber, wenn man mit besonders langer Brennweite nahe Dinge aufnimmt (z.B. mit einem Zoomobjektiv Portraits fotografiert).
Wann immer man mit einem klar umgrenzten Schärfenbereich arbeiten möchte und den Autofokus nutzen will, kann man sich sicher sein, dass das Bild anders aussieht als erwartet. Weil die Schärfe eben nicht dort ist, wo man sie gesetzt hat.

“Bin ich oder die Hardware kaputt?” – eigene und fremde Fehler

Da der Hobbyfotograf eher dazu neigt, die Ursachen für schlechte Bilder bei sich und den eigenen Unfähigkeiten zu suchen, als bei der Hardware, kann er sich sehr lange für jemanden halten, der die Technik einfach nicht im Griff hat und meinen, dass dies der Grund für seine schlechten Bilder ist.
Dieses Denken ist naheliegend, denn in der Fotografie gibt es eine Menge möglicher menschlicher Fehlerursachen:
Unruhige Hand, unruhiges Objekt, zu kleine/zu hohe ISO-Werte, falsch gesetzter Fokuspunkt; Blende, usw.
Ein technischer Fehler fällt also nicht sofort ins Auge, denn gerade wenn die Fehlfokussierung minimal ist (wenige Millimeter), bemerkt man sie oft nicht unmittelbar.

Nachdem ich mir recht sicher war, dass es sich um einen technischen und nicht um einen menschlichen Fehler handelte, begegneten zudem noch folgenden “Herausforderungen”:

  • Der “Fachhändler” suggeriert mir, dass ich mich wegen einer Lappalie beschweren würde.
  • Bei der Recherche im Internet stieß ich in Foren auf eben so viele  “so ein Quatsch”, wie auf “das ist ein Fehler und der sollte bitte ernst genommen werden” Beiträge.
  • Ich bekam die Kamera samt Objektiv als “repariert” von Sigma zurück und der Fehler war absolut derselbe. Reproduzierbar.
  • Dem “reparierten” Objektiv lagen keine Information bei, die anzeigten, was getan wurde, bzw. die darauf hinwies, dass man (also ich) sich evtl. vertan habe oder, dass kein Fehler gefunden wurde.

Mir drängte sich die Vermutung auf, dass die Fachhändler den Fotografierenden absichtlich mit diesem Problem allein lassen, weil er es nicht lösen können. Es hat sich anscheinend eine sehr fehlerhafte Technik eingeschlichen. Den dadurch entstehenden Problemen sind die Händler und somit die Kunden schlicht ausgeliefert…

Zum Abschluss noch Grobes zur Technik:

Ich bin kein Fototechniker, und ich hoffe, meine Beschreibungen stellen sich nicht als falsch heraus. Falls jemand einen Fehler entdeckt: Bitte sag mir Bescheid.

Fokusierung einer Spiegelreflexkamera

Bei Spiegelreflexkameras wird über zwei Sensoren ein Dreieck berechnet, aus dem sich schließen lässt, wie weit und in welche Richtung das Objektiv sich bewegen muss, um das Modell scharf zu stellen.
Für die Berechnung sind die Maße der Kamera und des Objektivs relevant. Diese werden der Kamera vom Objektiv softwareseitig zur Verfügung gestellt.

Fertigungstoleranzen

Mechanische Gerätschaften kann man nicht absolut gleich bauen, aus diesem Grunde werden sie in bestimmten Fertigungstoleranzen produziert. Diese werden durch eine Vielzahl von Faktoren (Material, Herstellungsmethode, Funktion, Preis) bestimmt und festgelegt. Üblicherweise sind obere und untere Werten angegeben (z. B.+1mm/-2mm bzw.  100mm +1mm/-2mm aber auch +- 1mm bzw. 100mm +- 1mm). Solange die produzierten Gegenstände in diesen Toleranzen gefertigt sind, gelten sie als fehlerfrei und (sollten) funktionieren.

Nach meiner Meinung sind es die Maße der Hardware, die die Fehler beim Fokussieren produzieren. Ich mutmaße, dass es zu Ungenauigkeiten in der Fokussierung kommt, wenn das eine Teil an der oberen und das anderen an der unteren Grenze der Toleranzen gefertigt wurde. Die oben genannte “Softwareseitig zur Verfügung gestellten Maße” sind wahrscheinlich nichts anderes als fixe Werte. Wenn die Kamera auf Grund dessen  “denkt”, sie sei 5 cm dick und das Objektiv sei 10 cm lang und beide aber etwas kleiner oder größer sind, dann führt das eben dazu, dass der Fokus nicht am richtigen Ort befindet (befinden kann).

Fokusierung einer Systemkamera per Kontrastmessung

Das Objektiv “pumpt” über und unter den Schärfepunkt hinaus und überprüft in einem Feld die Stärke des Kontrastes. So kreist sie den stärksten Kontrast ein. Der stärkste Kontrast ist der Punkt an dem auch das Bild scharf gestellte ist.

Da diese Methode gleichsam auf Versuch und Irrtum beruht und das Objektiv in der Scharfstellphase mehr nachstellen muss, als bei der Triangulation, ist diese Methode nominell langsamer.

Fazit

Ich finde es sehr eigenartig, dass eine Technik auf dem Markt ist, die derart viele Fehler und Undurchdachtheiten aufweist. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass meine Schwierigkeiten kein Einzelfall waren, da es überall im Netz Hinweise darauf gibt. Es gibt bei Wikipedia sogar einen Artikel zu diesem Thema.

Erstaunlich finde ich den Umgang mit diesen Fehlern: Sie werden, bis hin zur Verleugnung, schlicht ignoriert.
Anscheinend nehmen echte Profis dies tatsächlich als ein nicht änderbares Übel hin und nutzen den Internetmarkt mit den extrem kulanten Rückgaberechten, um sich ihr System fehlerfrei zu halten. Sie umgehen das Problem dadurch, dass sie Ihre Objektive immer in größeren Mengen bei Amazon kaufen, alle testen und nur das behalten, bei dem der Fokus passt.

Ich will das aber nicht! Ich verlange von einer 1000 Euro teuren Kamera mit einem 400 Euro teuren Objektiv, dass der Autofokus genau funktioniert. Da die Hersteller dieser Geräte nach meiner Meinung nicht in der Lage sind, dies zu gewährleisten, musste ich die für mich einzig logische Konsequenz ziehen und mich von dieser Technik trennen.

Meine neu erworbenen GH2 (und mittlerweile auch meine GF3) zeigen dieses Problem nicht.
Natürlich vermisse ich den leicht schnelleren Fokus der Spiegelreflex und vor allem die ausgezeichnete Software von Canon, die es z.B. ermöglicht, die Kamera mit dem Computer zu steuern.
Was ich aber ganz und gar nicht vermisse ist das Gewicht der Spiegelreflexboilen und deren Objektive. Da habe ich bei den Systemkameras wesentlich weniger zu schleppen.

Die Qualität der Fotos ist m. E. nur marginal schlechter.
Durch den etwas kleineren Sensor (Crop 2,0 Panasonic zu 1,6 Canon) hat die Panasonic eine größere Schärfentiefe. Dies bewerte ich unterschiedlich:
Bei der “normalen” Fotografie wünsche ich mir manchmal die Schärfentiefe der Canon zurück, weil man damit mehr spielen kann. Aber mit anständigen Objektiven (wie z. B. dem Panasonic 20mm mit  f/1.7) ist dies kein echtes Thema mehr.
Bei der Makrofotografie bin ich allerdings froh über das Mehr an Schärfentiefe, denn dort hat man nie genügend Schärfe.
Wer übrigens einen gleichgroßen Sensor haben möchte, wie bei den Mittelklassenspiegelreflexkameras (mit einem Cropfaktor von 1,6) sollte sich bei dem NEX-System von Sony umschauen. Allerdings wachsen mit dem Sensor auch die Außmaße des Objektivs und eine GF3X wäre so nicht möglich.

Insgesamt fehlt mir vielleicht noch die Riesenauswahl an Objektiven. Auf der anderen Seite macht es mir die kleine Menge die Auswahl auch wieder leichter…

Alles in Allem will ich meine Systemkamera höchstens gegen eine andere Systemkamera tauschen.

Weitere Informationen:

Wikipedia:
Autofokus
Entfernungseinstellung → Fokussierungsfehler

scandig.info:
Autofokus – Automatisch blitzschnell scharfstellen

Universität Hamburg:
Praktikumsversuch Autofokus (PDF)

digitalkamera.de:
Fokussierprobleme bei digitalen Spiegelreflexkameras

mhohner.de:
Formelsammlung

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Ein Gedanke zu „Meine Spiegelreflex III – eine Abschlussbilanz

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