Fahrbericht: Honda VFR 1200X Crosstourer angetestet

Ein gemütliches Arrangement aus Druck bei jeder Drehzahl und Potential zur Kurvenhatz. Das soll die Honda VFR 1200X Crosstourer ausmachen. Bei der letzten Inspektion gab mein  Motorraddealer sie mir mit, um damit nach Hause zu fahren.

Honda VFR 1200x Crosstourer

Honda VFR 1200x Crosstourer

Böse gesprochen könnte man sagen, dass er das tat, um mich anzufixen – mit ein wenig gutem Willen kann man dagegenhalten, dass ich es gar nicht anders wollte. Ich konnte diese Honda VFR 1200X also testen. Hier mein Bericht:

Meine Aktuelle

Honda CBF1000

Ich fahre, wie man diesem Blog entnehmen kann, eine CBF 1000 der ersten Generation. Das ist ein schönes Motorrad mit dem man nichts falsch machen kann. Es hat einen seidenweich laufenden Motor, jeder Gang lässt sich – mit einem zarten Stups – einlegen. Das geht immer, in jeder Situation. Das Fahrwerk ist sehr neutral.
Das Schlimmste was man von der Honda CBF 1000 behaupten kann ist, dass sie sich etwas (aber wirklich nur ein ganz klein wenig) in die Kurven bitten lassen will, und dass sie klappert – dem ist Honda allerdings mit einem „Antiklapperkit“ entgegengetreten, das vom Händler kostenlos eingebaut wird.
Ansonsten handelt es sich ein schönes rundum gelungenes Motorrad, mit einem Verbrauch von nur 5 Litern Normalbenzin (wenn es denn Normalbenzin noch gäbe).Und das gibt es zu einem Preis, der wirklich harmlos ist.

Die Honda CBF 1000 ist eine echte Empfehlung für Leute die einen kleinen Geldbeutel haben (oder ihre großen Geldbeutel behalten wollen) und dennoch ein wirklich gutes Motorrad fahren möchten. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die CBF 1000 mit ihrem gebändigtem Honda Fireblademotor wohl fast unzerstörbar sein sollte.

Honda VFR 1200X Crosstourer

Motor und Fahrwerk

Bei diesem Motorrad handelt es sich ebenfalls um ein gleichsam domestiziertes Exemplar. Der Motor stammt jedoch aus der Honda VFR 1200F (127 kW (173 PS)
bei 10.000 min und 129 Nm bei 8.750 min). Es wurde einige Pferde gegen ein angeblich über den gesamten Drehzahlbereich gleichbleibend hohes Drehmoment eingetauscht. Auch wenn das Dremmoment in der Spitze ein wenig unter dem der VFR 1200F liegt  (95 kW (129 PS) bei 7750/min und 126 Nm bei 6500/min).

Schon wenn man den Motor startet, klingt ein sonor fauchiges Brummen aus dem Auspuff, das nervös macht. Man hebt die Füße, lässt die Maschine leicht anrollen und will den Hof verlassen. Mit der CBF wäre ich nun langsam in die Straße eingebogen und danach würde der Spaß beginnen. Die Crosstourer hingegen hat nicht besseres zu tun, als sich fröhlich in die Kurve (also ums Eck) auf die Straße zu werfen. Ehrlich, man vergisst sofort die 275 kg, die man unter sich hat. Die Crosstourer ist ab den ersten Metern – also auch bei langsamer Fahrt – extrem agil und lässt sich lenken wie ein Fahrrad. Die sehr schmalen Räder eignen sich hervorragend dafür, das Motorrad leicht von einer Kehre in die nächste zu werfen und dabei gar nicht zu bemerken, dass man eine viertel Tonne manövriert…
langezogene Kurven lassen sich ebenso wie kleine Spitzkehren problemlos ziehen.
Die Lastwechsel halten sich in Grenzen. Wer allerdings bisher ein Motorrad mit Kettenantrieb und Vierzylinder gefahren hat (so wie ich),  empfindet die Lastwechsel und die raue Gangart des V4 schon als das, was sie sind: Lastwechsel eben – und rau.
Mich stört das nicht, ich hab eher das Gefühl, dass es dem Motorrad so etwas wie  Charakter  gibt. Die Lastwechsel waren niemals so stark, dass ich mich in meinem Fahrstil beeinträchtigt fühlte.

Schaltung

Ich fuhr die Version mit der klassischen Schaltung und Kupplung. Dazu lässt sich nicht viel sagen. Sie schaltet eben wie eine Schaltung in einem Hondagetriebe: Problemlos. Der Schalthebel ist für meinen Geschmack etwas zu hoch angebracht, so dass ich das Gefühl hatte, meine Fußspitzen lästig hoch heben zu müssen, um schalten zu können. Vielleicht bin ich da auch etwas anders als andere, denn bei meiner CBF hatte ich das gleiche Problem. Die Schalthebel lassen sich bei der CBF aber problemlos umjustieren. Ich gehe davon aus, dass dies auch bei der Crosstourer möglich ist.

Doppelkupplungsgetriebe „DCT“ (Automatik)

Mein Motorraddealer lieh mir auch die VFR 1200f mit dem Doppelkupplungsgetriebe „DCT“ (sprich Automatik). Dieser Teil des Berichts bezieht sich also auf dieses Motorrad. Man hat mir aber versichert, dass das „Schaltgefühl“ sich gleich ist.
Trotz meiner Skepsis muss ich zugeben, dass mir das DCT gefiel. Man kann sich in spannenden Situationen, sich z. B. in Kurven, nur auf das Fahren konzentrieren, geschaltet wird in jedem Fall richtig. Das macht wirklich Spaß. Wenn man dann doch mal runter oder hochschalten möchte, so tut man das einfach mittels Druck auf den kleinen Hebel an der linken Lenkerseite, nach einer gewissen Zeit übernimmt die DCT das Schalten wieder automatisch.
Will man ausschließlich selbst schalten, so kann man das einstellen. Es gibt für die Crosstourer sogar (gegen einen weiteren Aufpreis) einen Fußschalthebel, mit dem kann man dann schalten wie gewohnt, nur das Kuppeln fällt weg.

Es gibt einen Sport und einen Tourenmodus. Ich habe eigentlich nur den Sportmodus ausprobiert. In diesem schaltete die Maschine genauso, wie ich es mir wünschte. Da ich probefahrend und nicht tourend unterwegs war und kein Benzin sparen wollte, kam der  Tourenmodus nicht in Frage. 😉
Insgesamt  fuhr sich das Doppelgetriebe sogar sanfter als das Schaltgetriebe.
Der Unterschied ist für mich aber dennoch so gering, dass ich mir es gut überlegen werde, ob ich die 1000 Euro Aufpreis für die Automatik zahlen will.

Sitzkomfort

Auf der Crosstourer sitzt es sich, schlicht gesagt, gemütlich. Der Kniewinkel ist toll, man sitzt aufrecht und hat die Arme leicht aber nicht zu weit gespreizt. Ein Manko (und das kann für manche ein Ausschlusskriterium sein) ist die hohe und nicht höhenverstellbare Sitzbank. Ich (mit meinen 1,75 Metern) saß ausgezeichnet. Meine Füße bekam ich gerade platt auf die Erde.

Eigentlich nicht erwähnenswert: Die Maschine ist natürlich absolut Soziatauglich.

Fazit

Da gibt es nicht viel zu sagen: Alles in allem haben mich das Fahrgefühl, der enorme Schub in allen Lebenslagen und die Kurvenlage sehr überzeugt. Ich bin mir sicher, welches Motorrad mein nächstes sein wird.

2 Gedanken zu „Fahrbericht: Honda VFR 1200X Crosstourer angetestet

  1. Pingback: Von einem, der auszog, das Laufen zu lernen | ein Lustspiel in vielen Akten - Seite 3 - Laufen: Laufforum.de

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