Kategorie-Archiv: Sichtweisen

Heute streiken die Schüler für ihre Bildung

Am heutigen Tag sind alle Schüler der BRD aufgerufen zu streiken.
Sie wollen sollen sich mit dem Staat anlegen und im zeigen, dass sie die Grundmauern der Zukunft sind, auf die ein Deutschland bauen sollte und – auf Gedeih und Verderb – bauen wird.

Ich hoffe, dass sie nicht nur wahrgenommen werden, sondern auch, dass sie sich Gehör verschaffen können ganz im Sinne von: „Bildungsblockaden einreißen!“

Weitere Infos:
http://www.schulaction.org/
http://www.wdr.de/themen/wissen/bildung/schule/schulstreik/index.jhtml

Ich wünsch euch jeden Erfolg. Vielleicht schafft ihr ja das, was eure Vorgänger (die aktuell Studierenden)  nicht schafften: Die Chance auf Bildung für jeden einzufordern.

Dirk

Denn es will Abend werden – die letzten Herbstimpressionen

Denn es will Abend werden…. (Lukas 24, 29)

Ok, ganz so drastisch ist es nicht um meine Gefühle bestellt, aber der Abend des Jahres steht bald an.
Der November hat sich am letzten Wochernende noch einmal mit all der goldenen Pracht – die eigentlich nur dem September zusteht – gezeigt, um zu sagen:

„Ich lege mich jetzt zur Ruh‘ und es wäre schön, wenn nach meinem Aufwachen noch alle Tannenbäume stehen würden…“

In Anlehnung an das nun anstehende Wetter und die damit vorherrschenden Farben, habe ich diese Seite gestalterisch etwas verändert und ein paar Fotos eingepflegt:


Und zum Schluss noch ein Gedicht:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh‘
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde
Warte nur, balde
Ruhest Du auch.

Leider stammen diese Zeilen nicht aus meiner Feder, sondern aus der des Herrn Goethe.
Dieses Verslein ist in der Hütte „Goethehäuschen“ bei Ilmenau zu lesen:

„Bei einem seiner insgesamt 28 Aufenthalte in Ilmenau übernachtete Goethe, nach einer Wanderung durch die Ilmenauer Berge, allein in der kleinen Schutzhütte auf dem Gipfel des Kickelhahns. Fasziniert vom anbrechenden Abend und der absoluten Stille schrieb er [es] mit einem Stift an die Holzplanken der Hütte[… .]“. (http://www.ilmenau.com/gipfel.asp)

Ich war im vorletzten Jahr selbst auf dem Krickelhans und habe mir diese Hütte angesehen. Zu wissen, dass Goethe vor über 200 Jahren in eben dieser Hütte stand und eben diese Aussicht genoss, erfüllte mich mit ebendem Gefühl, das mein Körper für solche Situationen bereithält:
Ein kleines Kribbeln im Bauch, das mit meiner Entdeckungslust immer einhergeht, eine gewisse Neugierde, gepaart mit einer unbestimmten Wehmut, die der Erkenntnis der Endlichkeit, durch das Wissen und kennen der Altvorderen, entspringt.

Also:
Das Alte geht – das Neue wird kommen.

Ich wünsche einen schönen Winter.

Sind Menschen keine Hühner?

Manchmal lese ich auf Tagesschau.de einen Artikel und erfahre etwas, das ich, wenn nicht schon immer gewusst, so doch schon immer geahnt habe – und es betrifft mich.
Letzteres, das „Ahnen“ also, ist allerdings schon eine Lüge, um mir folgendes vorzuheucheln:
Ich hätte es zwar wissen können, da ich aber nichts wusste, hatte ich keinen Grund aktiv zu werden…

Wenn man – mal wieder – darauf aufmerksam wird, dass der gänzlich unluxeriöse Preis bestimmter Luxusgüter – wie Bananen und Ananas – mit einem abartigen Preis – nämlich dem Leben Anderer – erkauft wird, dann sollte man vielleicht anfangen schlicht auf Bananen und Ananas zu verzichten. Kein großer Akt. Wenn man es weiß und dennoch nicht auf diese günstigen Früchte verzichtet, dann sollte man zumindest ein schlechtes Gewissen haben.

Vom Pathos zur Realität:

Oxfam beschreibt, dass gerade die deutschen Supermarktketten (Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro) in Südfrüchte produzierenden Ländern für ein Preisdumping verantwortlich sind, das – wie oben schon angedeutet – ein geradezu menschenverachtendes Verhalten der Firmen vor Ort auslöst.

Beispiele (Zitate aus der genannten Oxfam-Studie):

Über den Ananasanbau in Costa Rica:

„Im besten Fall verdienen die Arbeiter/innen den gesetzlichen Mindestlohn. Da allerdings oftmals bis zu 12 Stunden am Tag bei gleichbleibender Entlohnung gearbeitet werden muss, wird der gesetzliche Mindestlohn,
der auf einem Achtstunden-Tag basiert, in der Praxis deutlich unterschritten.“ (Seite 26)

„Die Schikanierung von Gewerkschaften ist in der Ananasproduktion an der Tagesordnung.“ (Seite 27)

„Beim Ananasproduzenten Piña Frut, der Dole beliefert werden die Arbeitnehmer/innenrechte permanent verletzt.“ (Seite 27)

„Arbeiter/innen in den Verpackungsstationen werden nach Akkord bezahlt, d.h. nach der Anzahl der gepackten Kisten. Wenn sie nicht arbeiten, verdienen sie kein Geld. Dies trifft in erster Linie die Frauen, die beim Waschen, Sortieren und Einpacken der Ananas zum Einsatz kommen. Um Sozialabgaben zu umgehen, werden 60 Prozent der Arbeiter/innen nur für zwei bis drei Monate beschäftigt. Nach Ablauf des Vertrages ist eine Neueinstellung nicht garantiert.“ (Seite 28)

„Nach einem Bericht der Landarbeitergewerkschaft SITRAP vom 28. März 2007 kennt die gewerkschaftsfeindliche Politik von Piña Frut keine Grenzen. Das Unternehmen droht mit ’schwarzen Listen‘, Gehaltskürzungen, Massenentlassungen und Plantagenschließungen. Tag für Tag gibt es Besuche auf den Plantagen, um die Arbeiter/innen zum Austritt aus der Gewerkschaft zu bewegen.“ (Seite 29)

„In Costa Rica werden Pestizide eingesetzt, die wegen ihrer Giftigkeit in Europa verboten sind. […] Klassische Symptome bei Kontakt mit Paraquat sind Augenschäden, Nasenbluten, Reizung oder Verbrennung der Haut, Übelkeit und Erbrechen. Die Folgen der Anwendung von Paraquat ohne Schutzkleidung, mit undichtem Sprühgerät oder bei unvorsichtiger Handhabung können tödlich sein (evb.ch). Dole hat im Oktober 2007 verkündet, weltweit auf Paraquat zu verzichten – mit Ausnahme der Ananasplantagen in Costa Rica. Dort soll das Pestizid noch bis Juni 2008 zum Einsatz kommen […] (Seite 30)

Über die Bananenplantagen in Ecuador:

„Die Arbeiter/innen sind bei Arbeitszeiten von zehn bis zwölf Stunden am Tag sechs Tage die Woche Pestiziden ausgesetzt. “ (Seite 36)

„Eine Untersuchung und Befragung […]in den Anbauregionen Los Ríos, Guayas und El Oro ergab, dass die Arbeiter/innen, die die Chemikalien mischen und die Flugzeuge betanken, im Extremfall bis zu 65 Stunden pro Woche arbeiten. (Acción Ecológica 2007a:14).12“ (Seite 36)

„’Kleine Preise’ gibt es bei Plus und bei Penny, ‚billiger‘ ist es bei Lidl, und Preise, die ‚ganz unten’ sind, bietet Aldi Nord. ‘Konstant niedrige Preise’ gibt es bei Aldi Süd und ‘Niedrigpreise’ bei Norma. Bei Rewe muss der Preis ‘unten sein’ und bei Edeka wird mit Preisen geworben, die ‘dauerhaft niedrig auf Discounterniveau’ sind, während Tengelmann ‘unschlagbar im Preis’ ist. Beim Wettkampf um die Gunst der Kunden und um Marktanteile spielt der Preis eine zentrale Rolle. Der deutsche Markt gilt laut Branchenkennern nicht ohne Grund als ‘der nachweislich härteste Markt der Welt’, mit einem ‘außerordentlich niedrigen Preisniveau’. Die Schlacht um Markanteile im Lebensmitteleinzelhandel wird auf der Einkaufsseite geschlagen.“ (Seite 40)

Mehr braucht man darüber nicht zu sagen, höchstens, dass es – wenn ich mich recht erinnere – ähnliches über den Kaffeanbau zu sagen gibt.

Unter „Billige Südfrüchte haben ihren Preis“ (Tageschau.de) kann man nachlesen, was mich bewog, das Vorherige zu schreiben. Weitere Hintergründe – die Oxfam-Studie „Endstation Ladentheke“ :
(http://www.oxfam.de/download/endstation_ladentheke.pdf) bzw.
http://www.oxfam.de/a_611_presse.asp?id=325)

Wie soll ich Resümieren? – vielleicht so:

Ich kaufe seit geraumer Zeit nur noch Eier von freilaufenden Hühnern, denn ich kann es nicht ertragen, dass Hühner zusammengefercht in kleinen Käfigen für mich Eier legen müssen – ich finde das unmoralisch.

Aber Menschen sind doch keine Hühner – oder?

Ausstieg perfekt

Es ich unglaublich aber konsequent und wahr:

Wenn man sein Leben loswerden möchte, und für den neuen Start etwas Kleingeld benötigt, dann verkauft man es eben bei Ebay.

Der Australier Ian Usher ist auf diese Idee gekommen.

Es bleibt abzuwarten, ob das Schule macht:

http://www.tagesschau.de/schlusslicht/australien16.html

http://www.netzwelt.de/news/77360-ebay-mann-verkauft-sein-leben.html 

In Plastik eingeschweißte Werbung mit "Blauem Engel"

Wie ich erfahren durfte, bin ich nicht der Einzige, der sich über die in Plastik eingeschweiße Werbung ärgert.

Herr Schaten, auf seinen Schatenseiten, ärgert sich ganz offensichtlich ebenso wie ich. Leider ist dort gleichzeitig zu erfahren, dass dieses, (nach meiner Meinung) verschwendete Papier mit überflüssigem Plastik, den Blauen Engel gewonnen hat

„Gewonnen“ schreibe ich an dieser Stelle, da ich Werbung weder als „Diensteistung“ noch als „Produkt“ bezeichnen würde. Dienstleistungen und Produkte sind es aber, die mit dem Blauen Engel bewertet werden. Aus diesem Grunde drängen sich mir Bilder von einer großen Lostrommel und einem blauen Engel auf:
Der blaue Engel taumelt zur Trommel, fällt fast hinein und zieht den Gewinner des Aufdrucks „Blauer Engel“…

Trunkenes Grinsen…

„And the Winner is…. hicks… Einkaufaktuell… äh…“

Wie jetzt?“, fragt sich der skeptische Beisitzer dieser Ziehung. Kann Werbung auf Papier und in Plastik denn umweltfreundlich sein?
Umweltfreundlicher als andere?

Auf der Seite: blauer-engel.de kann man lesen:
Der Blaue Engel liefert eine praktische Orientierungshilfe, die Ihnen als Verbraucher Auswahl und Kaufentscheidung beträchtlich erleichtern.

Hmm.
So, jetzt mal langsam.
Der blaue Engel soll mir helfen mich zu orientieren.
Schön.
Und, er will mir mitteilen, dass ein Werbeflyer (immerhin auf Altpapier gedruckt) weniger umweltfreundlich ist, als 4 Flyer, die auch auf Altpapier gedruckt – plus nutzloser Information (natürlich auf zusätzlichem Papier) – aber dafür in Folie eingeschweißt sind?

Um sicher zu gehen, habe ich mir eins angesehen:

einkall.jpg

Folgendes lässt sich finden:

  • 3 Werbeprospekte, die ich mir, seit sie in Plastik eingeschweißt sind, nicht mehr anschaue
  • Das Fernsehprogramm der kommenden Woche – ich besitze keinen Fernseher und werde auch keinen kaufen
  • eine Seite anscheinender Information – es ist aber dann doch nur Werbung…
  • ein Bericht über Alleinerziehende auf Partnersuche – das interessiert dann natürlich jeden, den dieses „Gratisheft“ erreicht.
  • ein kleines Rätsel…
  • und ein kleiner Plastikhaufen

Hmm, ich hätte mir unter dem Stichwort „Einkaufaktuell“ etwas mehr „den Einkauf betreffende“ „Informationen“ vorgestellt.

Wenn ein in Plastik eingeschweißter Werbehaufen, mit wenigen (einen sehr speziellen Personenkreis interessierenden) allgemeinen Informationen (die auf drei Seiten ausgewalzt werden), an unglaublich viele Personen verteilt wird, dann ist das einen „blauen Engel“ wert…

Also, meine lieben Herren und Damen des „Blauen Engels“, das scheint mir ein Schildbürgerstreich zu sein… 🙁

der Frühling kommt…

Da ich mir nicht vorwerfen lassen mag, dass ich nur aus der Vergangenheit (und noch nicht einmal aus der richtigen Jahreszeit) zitiere, habe ich mich aufgemacht, um zu kontrollieren wie weit meine Bemühungen – den Frühling anzulocken – erfolgreich waren.

Folgendes ließ sich ermitteln:

zaubernuss500.jpg

Die sogenannte Zaubernuss lupft vorsichtig die ersten Knospen gen Himmel.

Während die Kätzchen der Haselnuss Weiden sich schon etwas vorwitziger heraus getraut haben.

kaetzchen-500.jpg

krokus500.jpg

Andere, wie z.B. der Winterling,

winterling500.jpg

natürlich die Schneeglöckchen,

schneeglockchen500.jpg

 

und die Krokusse wetteifern schon

mit den ersten Gänseblümchen und den Narzissen

um die schönste Blüte des Frühjahrs:

narzissen.jpg

gaensebluemchen.jpg

Alles in Allem kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass der Frühling sich wirklich alle Mühe gibt und schon die ersten Siege über den Winter zu verzeichnen hat.
Meine Bemühungen hatten also Erfolg… 🙂

Nun ist er wieder unterwegs…

nicolausikl.pngNun ist es soweit, er steht abermals in den Startlöchern.
Er hat sich von seinen Saufkumpanen verabschiedet, hat seinen Rausch ausgeschlafen, Alka-Seltzer geschluckt, nachgeschaut, ob die Rentiere noch leben, und den Schlitten Probe gefahren.

Jetzt wartet er darauf, dass es losgehen kann.

Und, wie in jedem Jahr, wird sowohl bei ihm, als auch bei uns, alles mehr oder weniger gut gehen:
Geschenke werden verschenkt, es wird sich ein wenig gefreut (oder geärgert – ganz nach belieben) man singt ein wenig und isst viel zu viel. Ein weiterer Tannen(oder sonstiger Nadel-)baum wird verdörren und eventuell verendet in naher Zukunft irgendwo unter dem Wohnzimmerschrank eine vergessene Schildkröte. Vielleicht benötigt man demnächst auch eine gute Erklärung dafür, dass die gelbrosa Wölkchenkrawatte (von der Tochter oder sonst einem kleinen Kind) dann doch lieber nicht in der Öffentlichkeit getragen werden sollte. Aber im Großen und Ganzen wird auch dieses Mal nichts Wesentliches passieren und kein bleibender Schaden angerichtet.

Also und aus diesem Grunde: Ich wünsche eine schöne Adventszeit und besinnliche Feiertage!

Kreuzchenparade oder was übrig bleibt

All überall sieht man sie an den Straßenrändern stehen, unter Bäumen leuchten sie dem Verkehrsteilnehmer entgegen: Hübsch, mit kleinen Blumensträußchen versehene, kleine, wohl gepflegte Kreuzchen, mit oder ohne Kerzen. Sie flüstern dem umsichtigen Autofahrer zu: „Komm, komm zu mir, hier an diesem Baum hat schon ein anderer seinen Körper dem Auto und der Dummheit geopfert…sei Du der nächste …“
Sie sind kleine Altäre der Autosucht, Orte der nicht gefahrenen Kilometer, Anzeigen der entleibten jugendlichen Unvernunft.

Das statistische Bundesamt wiederum sagt dazu nichts. Es sagt – natürlich – nichts über die Anzahl der Kreuzchen an unseren Straßen. Was es sagt, ist, dass der Peak – von sich mit dem Auto entleibenden Menschen – im Alter zwischen 18 und 25 Jahren liegt (wer hätte das erwartet…).1
Wie so vieles, kann man auch die Anzahl der Kreuzchen hochrechnen oder zumindest eine Vorstellung von der Menge bekommen:
Wenn man die Toten bis ins Alter von 18 bis 25 Jahren nimmt und davon nur die für die Unfälle verantwortlichen Jugendlichen nimmt, so kommt man auf, sage und schreibe, 1100 Kreuzchen pro Jahr!1

Ganz so schlimm und ganz so viele Kreuze werden es dann doch nicht sein, denn bekanntlich passen mehr als eine Person in ein Auto und Jugendliche neigen dazu, wenigstens zu zweit, in alten lediglich neu lackierten und übermotorisierten Autos, umherzufahren und wer stellt schon zwei Kreuze an einem Baum auf. Rechnet man also nur die Verursacher und nicht die Getöteten, so kommt man auf „nur“ noch 970 Kreuzchen…1

Man sollte dazu die Unfälle auf deutschen Straßen betrachten und davon ausgehen, dass nur von bestimmten Personen, mit einer bestimmten Intention, ein Kreuzchen gestiftet wird: Leute mit der Intention, dass solch ein Kreuz nicht nur ein Zeichen der Trauer und des Gedenkens sein soll, sondern auch eine gewisse Aufmerksamkeit erheischen will.
Es geht um Kreuzchen, die Eltern stifteten. Eltern, die nicht nur um den eigenen Sohn oder um die eigene Tochter trauern, sondern die Fremden sagen wollen: „Hier hat ein übermütiger junger Mann/Frau das Leben ausgehaucht – wenn du genauso übermütig sein willst, tu Dir keinen Zwang an, aber sag hinterher nicht, wir hätten dich nicht gewarnt.“ (Natürlich stellen nicht nur Eltern solche Kreuze auf, sondern auch Freunde oder andere Menschen mit einer ähnlichen Intention.)

Es scheinen nicht alle Eltern den Straßenkreuzchenkult mit zu tragen. Diese Größe ist leider nicht zu evaluieren, deshalb gehe ich von ungefähr halb so vielen Kreuzen (also 485) aus wie es eigentlich sein müssten.
Ich nehme weiter an, dass erst seit ca. 20 Jahren Kreuze gesetzt werden, denn ich weiß, dass der Kreuzchenkult nicht allzu alt ist und 20 ist eine schöne Zahl. Es ergeben sich also ca. 9700 Kreuze seit dem Jahr 1986. Ich möcht noch anmerken, dass die Unfälle mit Todesfolge in den letzten Jahren erheblich gesunken sind und ich diesen Umstand in meiner, sowieso recht ungenauen, Berechnung nicht berücksichtige, da es mir nur um einen Eindruck und nicht um reale Zahlen geht.

Aber zurück.
Es wird bunt und blumig in unseren Straßengräben und ein Ende der Toten ist nicht abzusehen. Junge Menschen versenken sich weiterhin in Gräben und biegen Autos um Bäume und schaffen damit die Gründe zur Fortsetzung der Beblumung unserer Umwelt. Blumen an den Straßen finde ich schön. Weniger schön ist natürlich die Umweltbelastung, die diese Menschen, zusätzlich zu ihrem Tod (der Mensch ist ein ziemlich giftiges Objekt), auslösen. Ich denke an ausgelaufenes Öl, verbrannte Autos, verletzte Bäume und so weiter. Ein/e fachgerecht entsorgte/s Auto oder Person, nach Jahren fröhlicher Tätigkeit, wäre sicher weniger belastend.

Also, 485 potentielle Kreuzchen pro Jahr, an deutschen Landstraßen. 485 kleine Holzkreuzchen und brennende Totenkerzchen.

Welche Schlüsse will der Autor ziehen?

Zunächst: Der Mensch ist doof.

Dann: Je jünger desto doofer ist der Mensch.

Ich meine natürlich nicht die Intelligenz des Menschen, sondern die, jedem Menschen innewohnenden, Allmachtsfantasien und Untötbarkeitsvorstellungen – die sich schnell in tödliche Dämlichkeit wandeln können.2

Es ist anscheinend so, dass der Wunsch, sich darzustellen, sich mittels dieser Fahrzeuge zu profilieren, Triebfeder dieser Tragödie ist. Jugendliche Menschen scheinen von Ihrer Innensicht kaum mehr einen Blick außerhalb werfen zu können und den Blick fürs Reale dadurch zu verlieren.2

Übrigens steht eine Evaluation vom Verhältnis: „Intelligenz“ – „Dummheit“ zu „Leben“ – „sich am Straßenrand entleiben“, noch aus und es wird sie wohl auch nie geben.
Oder doch?

„Verkehrsunfälle im Jugendalter – und besonders nächtliche Disco-Unfälle – gehen mit einer niedrigen schulischen Qualifikation einher: Circa 65% der Verursacher von Disco-Unfällen sind Hauptschüler, obwohl ihr Anteil in der Altersgruppe nur 37% beträgt. Sie sind demnach unter den Verursachern nächtlicher Freizeitunfälle deutlich überrepräsentiert. In den Berufsschulen sind Lehrlinge aus den Berufen Metall und Bau stärker unfallgefährdet als andere Berufsgruppen. Fast jeder zweite nächtliche Freizeitunfall (48%) wird von Angehörigen dieser beiden Berufsgruppen verursacht […]“3

Man könnte mutmaßen, dass diese Art von freiwilliger Entleibung, eine natürliche Auslese sein könnte: „Bist du nicht in der Lage zu verstehen, was du tust, und deine Allmachtsfantasien zu zügeln, wirst du dran sterben…“
Um meine Frage, von etwas weiter oben, zu beantworten: Nein das beweist nichts, denn man kann Schulbildung nicht mir Klugheit gleichsetzen. Dennoch hat jede Bildungsschicht ihren eigenen, speziellen, Umgang mit Person und Persönlichkeit, mit Realitätswahrnehmung und Verdrängung; er ist unabhängig von der Intelligenz oder Klugheit und abhängig von klassischen Konditionierungen. Es ist schwer, in diesem Alter, über den Tellerrand der eigene Peergroup hinauszusehen und sich anders als dort vorgegeben zu verhalten.

Was will der Autor damit sagen…:

Hängt die Kreuze höher!
Stellt mehr Kreuze auf!
Verbrennt mehr und größere Kerzen!
Es sollte der letzte motorisierte Idiot bemerkten, dass Bäume nicht aus Gummi bestehen und Schädel zwar hohl sein können, aber nicht desto trotz lebensnotwendig sind.

Und:
Ich glaube, ich sollte einen Kerzen- und Kreuzchengroßhandel aufmachen.

Links, die mir im Laufe der Erstellung dieses Artikels unter den Mauszeiger gekommen sind (ob sie gut oder schlecht sind soll der einzelne selbst entscheiden):
http://www.strassenkreuz.com

http://www.strassenkreuze.de
http://www.kath.de/akademie/lwh/archiv/kreuze/soerri.htm
http://www.students.uni-mainz.de/meyec012/porta/hausarb/…

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1 Statistisches Bundesamt: Fachserie 8 Reihe, Verkehr Verkehrsunfälle 2005; Statistisches Bundesamt; Wiesbaden 2006; korrigierte Fassung vom 31.10.2006; online zu beziehen, beim Statistischen Bundesamt, unter:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html…; Seite: 133

2 Prof. Dr. Maria Limbourg: Unfallprävention im Jugendalter, Vorlesungsskript 2003; online zu beziehen:
http://www.uni-essen.de/traffic_education/alt/texte.ml/pdf/… (am 1.12.2006 13.00); Seite: 6–7

3 Maria Limbourg, Jürgen Raithel, Karl Reiter: Jugendliche im Straßenverkehr; In: Raithel, J. (Hg): Risikoverhalten im Jugendalter; Leske und Budrich; Opladen, 2000; online zu beziehen:
http://www.uni-essen.de/traffic_education/alt/texte.ml/risiko-jugend.html (am 1.12.2006 13.00) Seitenangabe nicht möglich